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Mein Kommentar: Delhi ohne Gnade

(2010) Wir sind in New Delhi, aber uns interessiert Old Delhi, die Stadt, die einst Schah Jahan (1592–1666) erbauen ließ am Ufer des Yamuna-Flusses. Von den Bauten haben wir schon gehört, dem Roten Fort in der „Altstadt“ von Delhi, den Shalimar-Gärten von Lahore.

Neu-Delhi im Vergleich dazu, liegt mehrere Kilometer südwestlich, ist eine britische Erfindung. Ein Kolonialarchitekt namens Edwin Lutyens ließ hier imposante Regierungsbauten, grüne Boulevards und Prachtstraßen wie Rajpath und Janpath errichten – ein Konzept, das eher Amerikas Hauptstadt Washington ähnelt.

Jedoch, was man nicht weiß: Viele Bauten von Neu-Delhi sind uralt. Denn hier befanden sich auf dem Gebiet der „Neustadt“ zahllose Ruinen und Gräber, halb begraben unter Vegetation.

Delhi ist voller Vergangenheit. Gut so.

Aber auch voller Dreck, Abfall, Ratten und Gestank. Delhi gehört zu den Städten mit der weltweit schlechtesten Luft. An vielen Tagen ist die Belastung schlimmer als in Peking. Zu den Verschmutzern gehören: Herdfeuer zum Kochen, Feuer zum Wärmen in der Nacht, offenes Müllverbrennen, Kohlekraftwerke und Ziegeleien am Stadtrand, Verbrennen von Stroh auf umliegenden Feldern, die täglich steigende Zahl an Autos und Motorrädern sowie alte Lastwagen, die oft dicke Rußwolken ausstoßen.

Delhi hat auch viele öffentliche Toiletten, die man zuerst riecht, dann sieht, die man nur im großen Bogen umgehen kann.

Aber es stinkt nicht nur, die Stadt vermüllt sich selbst. Die größte Schutthalde ist die Straße. Alle werfen ihren Müll auf die Straße, keiner kehrt auf. Die Armen suchen nach dem, was sie noch verwerten können.

Bettler und Soldaten geben sich die Ehre. Alles Mögliche wird bewacht vom Hotel bis zur Metrostation. Überall werden Geschäfte gemacht, gebettelt und abgezockt. Selbstverständlich zahlen die Fremden mehr als die Einheimischen. Für die Fremden ist es immer noch billigst.

Delhi ist gnadenlos. Die Menschen leben in und mit und unter und über der Stadt. Leben und Stadt gehen ineinander über. Viele Menschen haben kein Zuhause und sind dennoch in der Stadt zu Hause. Elend erscheint es für den Fremden. Die Einheimischen empfinden es als reichlich normal.

Und dann kennt Delhi doch eine Gnade, die Farben. Delhi ist bunt. Die Wände der Häuser, die Kleider der Menschen, der Himmel beim Sonnenuntergang, die Früchte in den Läden, die Gewürze in großen Säcken, die Luftballone der Kinder, die Autos auf den Straßen, die Zäune und Gitter, die Karren und Fahrräder. Die Farben machen die Stadt interessant, geben ihr das einzigartige Flair, wie eine Stadt sie nur haben kann, ein gnädiges Geschenk.

Ein Gedanke zu „Delhi ohne Gnade

  1. Hallo Werner,

    ich habe mir, nachdem wir wieder zurück aus USA sind, deinen NY-Film angesehen.

    Das war eindeutig DAS Highlight dieser Reise! Diese Stadt kann man nur lieben.
    Washington ist ein Friedhof dagegen, zwar im Greek-Revival-Stil, aber dennoch leblos.

    Herzliche Grüße,
    Silvia.

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