Man sagt Taipeh sei der Motor der Insel, der Motor von Taiwan. Jedenfalls hat Taiwans Wirtschaftswunder der letzten 50 Jahre Taipeh und seine Einwohner wesentlich geprägt und der Stadt ihr heutiges, modernes Bild verliehen. Wenngleich die Stadt in ihrer Funktion als Hauptstadt des Landes kaum anerkannt ist in unserer Welt. Irgendwie erscheint sie vergessen, jedenfalls weit weg von den politischen und wirtschaftlichen Metropolen.
Wo sich vor dreihundert Jahren kilometerweit Reisfelder hinzogen, erheben sich heute vollverglaste Bürohochhäuser, Apartmenttürme und moderne Warenhäuser an breiten Boulevards.
Dennoch fällt es sehr schwer, die Seele der Stadt zu entdecken. Es geht zeitlos geschäftig zu, und trotzdem in einer Mischung von Tradition und Moderne. Gläubige, die in alten Tempeln den Beistand der Götter erbitten, große religiöse Prozessionen, die unter dem Krachen von Feuerwerkskörpern durch die Straßen ziehen. Kleine Läden bieten Kräuterarzneien, auf die seit Jahrtausenden vertraut wird. Altes und Modernes existieren durchaus nebeneinander. Shopping Malls und Luxusläden, Hotelkomplexe und Apartmentsilos.
Für die Tradition steht der Longshan-Tempel, ältester Tempel der Stadt. Den Bewohnern des Viertels Manka dient der Tempel zum einen als Ort der Verehrung, zum anderen auch als ein sozialer Treffpunkt. Der 254 Jahre alte Longshan-Tempel ist der Göttin der Barmherzigkeit geweiht, aber es werden hier auch viele andere Gottheiten verehrt. Lebhafte Schnitzereien und Gemälde schmücken die Unterseite der Dächer und die besonderen Stützpfeiler, von denen das Dach getragen wird. Die Haupttore des Tempels werden nur für Feste oder besondere Rituale geöffnet.
Es gibt Leute, die den Longshan-Tempel als den „Treffpunkt der Götter“ bezeichnen.
Das moderne Antlitz repräsentiert das Taipei 101, das 508 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt. Bis 2007 war es das höchste Gebäude der Welt. Seinen Namen verdankt das 101 schlicht der Anzahl seiner Stockwerke. Trotz des modernen Äußeren wurden bei der architektonischen Umsetzung des Wolkenkratzers durchaus auch traditionelle Werte berücksichtigt. So orientiert sich der Bau des 101 an einer sich nach oben verjüngenden Bambusstange, an den Ecken wachen Drachenköpfe und die Fassade ähnelt in ihrer Form alten chinesischen Münzen. Damit ist das Taipei 101 ein Sinnbild für eine Stadt, in der Tradition und Moderne unabdingbar miteinander verknüpft sind.
In weiten Bereichen der Stadt dominieren eher fantasielose Wohnblocks. Sie wirken nüchtern. Ein bisschen seelenlos. Die Taipeh-Seele findet man vielleicht noch am ehesten auf einem der Nachtmärkte. Es ist ein besonders schönes Erlebnis sich durch einen der vielen Nachtmärkte treiben zu lassen. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen, mit seinem bunten Angebot. Hier kann man bis in die frühen Morgenstunden essen und einkaufen. Und genau dort, so nehmen wir an, befindet sich die Seele der Taipeher, beim Vorbereiten und beim Verspeisen der besten Speisen. Hier machen sie einen richtig glücklichen Eindruck.

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